Auch Salzburg muss an die Zukunft denken!

Foto: Robert Ratzer

Das Bundesverwaltungsgericht hat in einer zukunftsweisenden Entscheidung für den Umweltschutz die Bewilligung zum Bau einer dritten Piste des Wiener Flughafens versagt. Dieses Erkenntnis im Sinn des weltweiten Klimaschutzes muss auch für Salzburgs Verkehrsprojekte gelten.  Mit dem Ausbau der Mönchsberggarage ist eine Förderung des motorisierten Individualverkehrs verbunden. Dies würde auch die Luftverschmutzung erhöhen, die in Österreich schon derzeit zu mehr als 5 Milliarden Euro gesundheitsbezogener Kosten pro Jahr führt! 

Viele intelligente Städte mit historischem Stadtkern haben stinkende Fahrzeuge bereits aus ihren hochwertigen Zentren verbannt. Nicht nur um ihr Weltkulturerbe bestmöglich zu erhalten und die Qualität und Wirkung der touristischen Anziehungspunkte erheblich zu steigern, sondern vor allem, um die Lebensqualität für Bewohner und Besucher zu erhöhen. 

Salzburg hingegen will den Autoverkehr im Zentrum fördern und wundert sich über Stau, Lärm und Abgase! 2016 war die Stadt trauriger Spitzenreiter als Stauhauptstadt Österreichs! Was muss noch passieren, damit der Realität endlich ins Gesicht geschaut wird: Mehr KFZ heißt nicht mehr Gewinn! Bereits Ende des letzten Jahrhunderts haben bedeutende Wissenschafter des Club of Rome vor dem grenzenlosen Wachstum einer maßlosen Wirtschaft gewarnt, die letztendlich den Verlust unserer Lebensgrundlagen bringen und mit dem Kollaps des Systems enden würde.

Wolfgang Wiener

Einfluss des Skisports auf die Alpenvegetation

Abbildung 1: Nach Bodenausgleichsarbeiten im Hochgebirge findet eine Regeneration der Pflanzendecke nur sehr schwer statt. Foto: C. Rixen

Skigebiete müssen vermehrt Maßnahmen ergreifen um während der Wintersaison durchgehend gute Skifahrverhältnisse gewährleisten zu können. Diese Maßnahmen können Veränderungen der Vegetation hervorrufen und negative Auswirkungen auf Natur und Landschaftsbild sind oft lange sichtbar. Das liegt daran, dass sich alpine Böden und die alpine Vegetation aufgrund tiefer Temperaturen und kurzer Vegetationsperioden nur sehr langsam entwickeln bzw. regenerieren können.

Große Mengen an Kunstschnee – aber auch die Verdichtung von natürlichem Schnee – können die Schneeschmelze im Schnitt um zwei bis drei Wochen hinauszögern, wodurch die für alpine Pflanzen ohnehin schon kurze Vegetationsperiode weiter verkürzt wird. Für die Kunstschnee-Produktion wird in der Regel Wasser aus Speicherteichen und Flüssen verwendet, welches mehr Mineralien bzw. Ionen als der Niederschlags-Schnee beinhaltet und dazu führt, dass der pH-Wert des Bodens ansteigt. Pflanzenarten, die an saure Lebensräume (wie z.B. Hochmoore) angepasst sind, können dadurch beeinträchtigt werden. Dem Lebensraum wird durch die Beschneiung außerdem mehr Wasser zugeführt und der vermehrte Eintrag von Mineralien begünstigt in der Regel das Pflanzenwachstum. Eine Beschneiung basenarmer und/oder trockener Lebensräume sollte aus diesem Grund vermieden werden. Die Auswirkungen von Kunstschnee auf die alpine Vegetation sind allerdings nicht nur negativ, denn der Boden wird bei einer höheren Schneeauflage vor Bodenverwundungen durch Pistenfahrzeuge geschützt. 

Der von den Pistenraupen verdichtete Schnee isoliert den Unterboden weniger gut gegen Frost als unverdichteter Schnee. Das hat zur Konsequenz, dass Arten der Windkantengesellschaften, wie die Gämsheide, vermehrt auf Pisten vorkommen. Typische Frühjahrsblüher wie die Alpen-Soldanelle gehen im Gegenzug zurück, denn sie werden unter der dichten, lichtundurchlässigen Schneedecke nicht rechtzeitig zum Wachstum angeregt um die kurze Periode nach der Schneeschmelze bzw. vor dem Wachstum der übrigen Vegetation auszunutzen. Auch der Gasaustausch, der für Mikroorganismen relevant ist, wird durch den gepressten Schnee eingeschränkt. 

In den Sommermonaten werden Unebenheiten auf Skipisten oft planiert, damit auch bei einer geringen Schneeauflage das Befahren der Piste bereits möglich ist. Bodenausgleichsarbeiten wirken sich im Vergleich zu anderen Maßnahmen am dramatischsten auf die Pflanzendecke aus und sollten vor allem in höheren Lagen vermieden werden, da mit zunehmender Höhe eine Regeneration erschwert wird. Nur mehrere Hundert Meter unterhalb der Baumgrenze (in den Zentralalpen unter 1600 m) kann sich die Vegetation wieder verlässlich regenerieren. Eine Begrünung sollte nur mit standortstypischem, regionalem Saatgut erfolgen, da dieses an die Standortverhältnisse optimal angepasst ist.(sp)


Rixen, C. (2013). Skiing and vegetation. The impacts of skiing on mountain environments, 65-78.

Rixen, C., Stoeckli, V., & Ammann, W. (2003). Does artificial snow production affect soil and vegetation of ski pistes? A review. Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics, 5(4), 219-230.

Abbildung 2: Die Schneeschmelze auf Pisten wird verzögert. Foto: C. Rixen

Fledermauskästen sind kein Ersatz für alte Bäume

Nyctalus noctula - Großer Abendsegler, Foto: Mnolf (Wikipedia)

Fledermäuse nutzen Baumhöhlen und Spalten, Mulmhöhlen und Astlöcher als Fortpflanzungs- und Ruhestätten, etwa als Tages- und Winterquartiere aber auch als Wochenstuben. In zahlreichen Naturschutzverfahren wurde bisher das Aufhängen von Fledermauskästen als Kompensation für die Rodung alter Bäume vorgeschrieben. In einer aktuell von der ANL publizierten Studie von ZAHN, A. & HAMMER, M. (2016) zur Besiedlung solcher Fledermauskästen wurde nun aber festgestellt, dass die Akzeptanz dieser künstlichen Quartiere in der Regel gering ist. Als entscheidende Faktoren erwiesen sich Alter und Anzahl der Fledermauskästen. Ältere Kästen weisen eine höhere Besiedlungsrate auf als jüngere. Gab es in einem Gebiet bisher keine Fledermauskästen konnten in den ersten zehn Jahren deutlich weniger Fledermäuse nachgewiesen werden. Neue Kästen konnten den Verlust von Wochenstubenquartieren in Bäumen auch auf längere Sicht nicht mit ausreichender Erfolgswahrscheinlichkeit kompensieren.

Aber auch der Nutzungsverzicht eines höhlenreichen Waldbestandes ist zwar naturschutzfachlich sinnvoll, als kurzfristiger Ersatz für Fledermausquartiere aber nicht geeignet, da die bestehenden Höhlen und Spalten mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits von hier ansässigen Fledermäusen und anderen Tierarten genutzt werden und daher den „ausquartierten“ Fledermäusen nicht zur Verfügung stehen.

Fazit: Fledermauskästen sind als sogenannte CEF-Maßnahme zum kontinuierlichen Angebot an Fortpflanzungs- und Ruhestätten für Fledermäuse in der Regel nicht geeignet. Müssen im Zuge eines Eingriffs alte Bäume mit Fledermausquartieren gefällt werden, kann eigentlich nur die Sicherung und Erhöhung des Baumhöhlenangebotes vorab als fachlich sinnvolle Maßnahme eingestuft werden. Diese müsste rechtzeitig vor dem Eingriff erfolgen, dann könnte eine Außernutzungsstellung hiebsreifer Bäume mit entsprechenden Strukturen in der unmittelbaren Umgebung verhindern, dass ein artenschutzrechtlicher Verbotstatbestand eintritt. (sw)

Download-Adresse der Studie:

ZAHN, A. & HAMMER, M. (2016): Zur Wirksamkeit von Fledermauskästen als vorgezogene Ausgleichsmaßnahme – ANLiegen Natur 39(1): online preview, 9 p., Laufen;

http://www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/doc/an39101zahn_et_al_2017_fledermauskaesten.pdf

Buchenwälder und ihre Natürlichkeit in der Osterhorngruppe

Hochmontaner Karbonat-Buchenwald nördlich des Kallersberggipfels auf 1380 m (Foto: J. A. Sonnberger)

In der submontanen bis tiefmontanen Stufe der nördlichen Kalkalpen stellen Buchenwald-Verbände die natürliche Waldgesellschaft dar (Kilian et al., 1994). Da die Rotbuche auf durchschnittlichen Böden eine hohe Konkurrenzkraft entwickelt, wäre sie von Natur aus in großen Gebieten Mitteleuropas die dominierende Baumart (Ellenberg, 1996). Doch die Jahrhunderte andauernde Nutzung und Förderung nicht standortgerechter Baumarten führte zu einer Verschiebung und Reduktion des natürlichen Artenspektrums. Erfreulicherweise konnten im Land Salzburg noch einige naturnahe Buchenwaldbestände nachgewiesen werden.

Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Salzburg wurden ausgesuchte Buchen- und Buchenmischwälder hinsichtlich ihrer pflanzensoziologischen Stellung und Hemerobie (Grad der menschlichen Beeinflussung) untersucht. Bei der Auswahl von potentiell naturnahen Waldflächen wurde vor allem auf die Erhebungen der Salzburger Biotopkartierung zurückgegriffen. Das Untersuchungsgebiet lag in der Osterhorngruppe östlich der Salzach und reichte vom Gaisberg (Stadt Salzburg) im Norden bis zum Trattberg im Süden. Insgesamt wurden 71 pflanzensoziologische Aufnahmen nach Braun-Blanquet 1964 und Hemerobiebewertungen in Anlehnung an das Projekt „Hemerobie österreichischer Waldökosysteme“ von Grabherr et al. 1998 durchgeführt. Um den Grad der menschlichen Beeinflussung zu bestimmen, wurden folgende neun Kriterien herangezogen: Naturnähe der Baumartenkombination, Naturnähe der Bodenvegetation, Naturnähe der Verjüngung, Nutzungen (forstliche End- oder Vornutzung, Waldweidenutzung), Altersstruktur, Menge an Totholz, Bestandesaufbau (Schichtungsklassen), Diversität der Baumschicht und Diversität der Krautschicht. Die daraus resultierenden Hemerobiewerte reichen von Stufe 1 (künstlich) bis Stufe 9 (natürlich).

Trotz der strengen Bewertungsmethode nach Grabherr et al. 1998 lagen fast alle untersuchten Hemerobiebewertungen der Waldgesellschaften im Bereich der Naturnähestufe „naturnah“ (Stufe 7 und 8) und insgesamt schnitten vor allem die höher liegenden Waldflächen und Assoziationen am besten ab. Vier Waldbestände (am Ochsenberg, Regenspitz und Schmittenstein) erreichten sogar die höchste Naturnähestufe „natürlich“ (Stufe 9). Die restlichen vier Bestände repräsentieren Flächen der Naturnähestufe „mäßig verändert“ (Stufe 6). Wesentlichen Anteil an der hohen Naturnähe der untersuchten Waldbestände hatte die der potentiell natürlichen Waldgesellschaft häufig entsprechende oder nur geringfügig abweichende Baumartenkombination. Die hohe Naturnähe der untersuchten Wälder betont ihre außerordentliche Bedeutung für den Naturschutz. (sp)

 

Literatur:

Braun-Blanquet, J. (1964): Pflanzensoziologie: Grundzüge der Vegetationskunde. - Springer-Verlag, Wien, New York, 865 pp.

Ellenberg, H. (1996): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. - Ulmer Verlag, Stuttgart, 1095 pp.

Grabherr, G., Koch, G., Kirchmeir, H., Reiter, K. (1998): Hemerobie österreichischer Waldökosysteme.-Veröffentlichungen des Österreichischen MaB-Programmes, Österreichische Akademie der Wissenschaften Bd. 17. 493 pp.

Kilian, W., Müller, F., & Starlinger, F. (1994). Die forstlichen Wuchsgebiete Osterreichs. Eine Naturraumgliederung nach waldökologischen Gesichtspunkten. - Forstliche Bundesversuchsanstalt, 82 pp.

Sonnberger, J.A. (2009): Hemerobie ausgesuchter Buchen- und Buchenmischwälder in der Stadt Salzburg sowie im Flach- und Tennengau im Land Salzburg. - Masterarbeit Universität Salzburg, Naturwissenschaftliche Fakultät, Fachbereich Ökologie und Evolution. 137 pp.

 

Darstellung der Hemerobiestufen je Untersuchungsfläche innerhalb der Osterhorngruppe

Darstellung der Hemerobiestufen je Untersuchungsfläche innerhalb der Osterhorngruppe

Wo „Wildnis“ draufsteht muss auch „Wildnis“ drin sein

Die Landesregierung hat sich dazu durchgerungen große Gebiete des Nationalparks Hohe Tauern anzukaufen, diese Flächen als Eigentümer damit jeglichem Einfluss Dritter zu entziehen und dieses Gebiet unter den weltweit höchsten verfügbaren Schutz zu stellen: durch Erklärung zum Wildnisgebiet nach den Kriterien der IUCN! Diese Vorgangsweise ist einzigartig und zukunftsweisend zugleich und soll die letzten unversehrt gebliebenen Reste an Natur bewahren. Aber nicht zuerst für den Menschen, sondern primär für eine ursprüngliche Naturentwicklung. 

Jenseits jeglicher Diskussionen über die bevorstehende Ausweisung muss daher jedenfalls die Einhaltung der „Richtlinien für die Anwendung der IUCN-Managementkategorien für Schutzgebiete“ gesichert sein (Kernzitate daraus im Anhang). Allen Beteiligten an der öffentlichen Diskussion sollte klar sein, dass es hier nicht schon wieder in erster Linie um den Menschen geht und dass allzu weit reichende Forderungen ein Wildnisgebiet zur Fassade verkommen ließen, das keine internationale Anerkennung bekommen kann. Maß halten ist daher das Gebot der Stunde. (mp)

 

IUCN-Kriterien für Wildnisgebiete (Kernzitate)

KATEGORIE Ia: STRENGES NATURSCHUTZGEBIET/WILDNISGEBIET

Schutzgebiete der Kategorie Ia sind streng geschützte, für Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt und ggf. auch der geologischen/geomorphologischen Merkmale ausgewiesene Gebiete, in denen zur Sicherung der Naturwerte das Betreten, die Nutzung und Eingriffe durch den Menschen streng kontrolliert und stark eingeschränkt sind. Diese Schutzgebiete können als unentbehrliche Referenzgebiete für Forschungs- und Monitoringzwecke dienen.

Vorrangiges Ziel

Schutz und Erhalt herausragender Ökosysteme, Arten (Vorkommen oder Ansammlungen) und/oder Elemente der geologischen Vielfalt auf regionaler, nationaler oder globaler Ebene. Diese Merkmale sind überwiegend oder ausschließlich durch natürliche Kräfte geformt worden und würden geschädigt oder zerstört, wenn sie mehr als nur sehr geringen menschlichen Einflüssen ausgesetzt würden.

Weitere Ziele

• Bewahrung von Ökosystemen, Arten und Elementen der geologischen Vielfalt in möglichst ungestörtem Zustand – von menschlichen Tätigkeiten der jüngsten Vergangenheit verschont;

• Sicherung von Beispielen natürlicher Umwelt für wissenschaftliche Studien, Umweltmonitoring und -bildung einschließlich Referenzgebieten, deren Betreten grundsätzlich ausgeschlossen ist;

• Minimierung der Störungen durch sorgfältige Planung und Durchführung von Forschungsvorhaben und anderen zulässigen Aktivitäten;

• Schutz und Erhalt der mit der Natur verbundenen kulturellen und geistigen Werte.

KATEGORIE Ib: WILDNISGEBIET

Schutzgebiete der Kategorie Ib sind i. d. R. ausgedehnte ursprüngliche oder (nur) leicht veränderte Gebiete, die ihren natürlichen Charakter bewahrt haben, in denen keine ständigen oder bedeutenden Siedlungen existieren; Schutz und Management dienen dazu, den natürlichen Zustand zu erhalten.


Vorrangiges Ziel

• Langfristiger Schutz der ökologischen Integrität natürlicher Gebiete, die frei von störender menschlicher Aktivität erheblichen Ausmaßes und von moderner Infrastruktur geblieben sowie überwiegend den Kräften der Natur und den natürlichen Prozessen unterworfen sind, so dass heutige und künftige Generationen die Möglichkeit haben, diese Gebiete zu erleben.


Weitere Ziele

• Erschließung für die Öffentlichkeit in einer den Wildnischarakter des Gebietes für heutige und kommende Generationen am besten bewahrenden Weise;

• Den indigenen Völkern, die dort in geringer Dichte und im Gleichgewicht mit den verfügbaren Ressourcen leben, ihre traditionellen, von der Wildnis geprägten Lebensformen und Gebräuche – in einer mit den Schutzzielen im Einklang stehenden Weise – zu ermöglichen;

• Schutz der maßgeblichen kulturellen und spirituellen Werte und immateriellen Vorteile für die indigene oder nicht indigene Bevölkerung – etwa Einsamkeit, Achtung heiliger Stätten, Ehrerbietung gegenüber den Ahnen usw.;

• Zulassung umweltverträglicher, minimal eingreifender Bildungs- und Forschungstätigkeiten, wenn diese nicht außerhalb des Wildnisgebietes durchgeführt werden können.

 

Das vollständige Dokument in seiner deutschen Übersetzung ist zu finden unter:

https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/gebietsschutz/IUCN_Kat_Schutzgeb_Richtl_web.pdf