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Umweltanwalt lehnt Forststraßenbau in einzigartigem Naturwald ab

16.07.2015 14:01 von Markus Pointinger

„Sillingwald“ erfüllt alle Voraussetzungen für ein Naturwaldreservat

Seltener Urwaldbewohner Zwergschnäpper, Foto: Birdlife Alois Thaler

LUA-PRESSE vom 02.07.2015

Die Österreichischen Bundesforste planen mit einer rund 6,5 km langen LKW-befahrbaren Forststraße einen über alle Maßen beeindruckenden naturnahen Fichten-Tannen-Buchenwald im Bereich des „Sillingwaldes“ (Strobl) zu erschließen. Bei diesem großen, geschlossenen Wald in steiler Hanglage handelt es sich um einen äußerst ursprünglichen Wald mit eindrucksvollen 250 Jahre alten Baumriesen. Solche Wälder gibt es praktisch kaum mehr und kommen einem Urwald sehr nahe. Neben diesem Altholz ist auch der hohe Anteil an stehendem und liegenden Totholz hervorzuheben, der als Nahrungs- und Lebensraum für geschützte Tierarten dient, die vom Aussterben bedroht sind. Auch von der Naturschutzabteilung des Landes wurde diese „Einzigartigkeit und landesweite Bedeutung“ des Urwaldes aus ökologischer Sicht bestätigt.

Der „Sillingwald“ ist durch einen außerordentlich großen Artenreichtum gekennzeichnet und ein Hotspot der Biodiversität. Eine Erfassung der Vogelgemeinschaft bestätigt dies: 42 Brutvogelarten mit zahlreichen seltenen und gefährdeten Arten kommen hier vor. Dazu gehören vor allem Charakterarten naturnaher Wälder sowie Alt- und Totholzspezialisten, wie Weißrückenspecht und Zwergschnäpper, die besondere Zeigerarten uriger Waldbestände sind. Mit seinen vielfältigen Lebensraumstrukturen, und Baumhöhlen beherbergt der Sillingwald aber auch mindestens vier Spechtarten, Fledermäuse, Amphibien (wie den EU geschützten Alpensalamander), Käfer und Schmetterlinge.

Dazu Umweltanwalt Dr. Wolfgang Wiener: „Derartige Naturwälder dieser Qualität sind durch die intensive Forstwirtschaft inzwischen in unseren Breiten ausgestorben. Im Land Salzburg findet sich kein vergleichbarer Lebensraum mehr. Diese Einzigartigkeit darf nicht durch wirtschaftliche Nutzungen gestört oder zerstört werden, sie muss unbedingt geschützt werden. Dafür werde ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen.“

Dr. Wolfgang Wiener, Umweltanwalt

Salzburg, 02.07.2015

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