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EU-Beschwerde wegen fehlender Ausweisungen von Schutzgebieten

16.07.2015 14:44 von Markus Pointinger

FFH- und VS-Richtlinie erfordern die Ausweisung der Schutzgebiete „Osterhorngruppe – Salzburger Kalkvoralpen“ und „Nockstein‐ Gaisbergareal“

Die Salzburger Landesregierung ist seit Jahren bei unionsrechtlich gebotenen Ausweisungen von Schutzgebieten untätig. Das führte dazu, dass in den höchst sensiblen Naturräumen „Osterhorngruppe– Salzburger Kalkvoralpen“ und „Nockstein‐Gaisbergareal“ die 380‐kV‐Salzburgleitung als Freileitung geplant und zur Bewilligung eingereicht wurde.

Die Salzburger Landesregierung hat bis heute alle vorgebrachten Argumente und vorgelegten Gutachten ignoriert. Deshalb haben sich die Gemeinde Koppl, die Gemeinde Eugendorf, die Landes Umwelt Anwaltschaft Salzburg, der Naturschutzbund Salzburg, die Bürgerinitiative Nockstein‐Koppl und die Bürgerinitiative Hochkreuz‐Eugendorf zusammengeschlossen. Sie haben am 06.07.2015 gemeinsam eine Beschwerde bei der EuropäischeKommission eingebracht, um damit die Einhaltung der unionsrechtlichen Verpflichtungen zu bewirken.

Univ. Doz. Dr. Armin Landmann, Biologe: „Der landschaftliche und naturkundliche Wert des Gebietes Osterhorngruppe-Salzburger Kalkvoralpen im Allgemeinen und des Nockstein-Gaisbergareals im Besonderen ist ganz außergewöhnlich. Ich kenne z.B. in Österreich kein anderes Gebiet, wo auf so kleinem Raum derart unterschiedliche und vielfältige Floren- und Faunenelementevon alpiner, subalpiner, montaner bis hin zu colliner Herkunft nebeneinander anzutreffen sind. Die Diversität an besonderen Schutzgütern sowohl nach der EU-Vogelschutzrichtlinie als auch nach der EU-Fauna-Flora-Habitatrichtlinie ist gewaltig. Gerade für die in dem Gebietbesonders relevanten Arten, wie z.B. für Vögel des Laubmischwaldes, für sensible Felsbrüter, für Fledermäuse und für bedrohte Amphibien hat das Land Salzburg seine Verpflichtung zur Ausweisungvon Natura 2000 Schutzgebieten bislang in geradezu sträflicher Form vernachlässigt!“

Dr. Wolfgang Wiener, Landesumweltanwalt Salzburg: „Immer wieder werden Wölfe, Bären, Luchse, Fischotter und Biber aus dem Osterhorngebiet gemeldet. Es gibt auch mehrere laufende Anträge für kleinere Naturschutzgebiete, die leider endlos hinausgezögert werden. Zum Beispiel die Wiestalau, ein wunderschönes Naturbadegebiet in Ebenau, die alten Eisteiche am Nocksteinoder der über 250 Jahre alte Silling-bergwald in Strobl. Die tatsächliche Bedeutung der Osterhorngruppe als Rückzugsgebiet für eine gewaltige Anzahl von streng geschützten Tier- und Pflanzenarten ist aber erst durch die jüngsten Untersuchungen im vollen Umfang bekannt geworden. Mit den heute vorgelegten Ergebnissen wird den Salzburgern ein ungehobener Schatz präsentiert, der europaweit von großartiger Bedeutung für den Artenschutz ist.“

Die vollständige Pressemappe mit den wichtigsten Informationen finden sie nachstehend zum Download.

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